Die Geschichte von Indien: Von Hochkultur zur Kolonie
Die Geschichte Indiens ist geprägt durch multiethnische Einflüsse, eine Vielzahl an Machtwechseln und die Kolonialisierung ab dem 15. Jahrhundert. Heute ist Indien die größte Demokratie der Welt.
Im heutigen Gebiet von Nordindien und Pakistan bestand, mit der Industal-Zivilisation, um 2500 v. Chr. eine der frühen Welthochkulturen. Diese baute Städte mit guter Infrastruktur und bediente sich der Indus-Schrift, die bis heute aufgrund ihrer Komplexität bis heute noch nicht entziffert wurde. Diese Kulturperiode wurde um 1500 v. Chr. durch die vedische Zeit abgelöst. In dieser, bis 500 v. Chr. andauernden, Periode wurden viele Grundlagen der heutigen indischen Kultur geschaffen. Hinduismus und Buddhismus wurden begründet und die Gangesebene wurde urbanisiert. Im 4. Jahrhundert v. Chr. wurde erstmals in der Geschichte von Indien ein indisches Großreich ausgerufen. Im Laufe der folgenden 800 Jahre zerfiel dieses Großreich immer wieder in viele Kleinkönigreiche, bis es im 4. Jahrhundert n. Chr. wieder zu einem großen nordindischen Reich geeint wurde. Im Zuge von Eroberungen von Regionen in Zentral- und Ostasien wurden auch der Buddhismus und der Hinduismus in den besetzten Gebieten verbreitet. Ab dem 8. Jahrhundert n. Chr. fielen arabische Truppen in Indien ein und brachten den Islam in die nordindischen Regionen. Nach einer Machtschwächung durch den Einfall der Mongolen im 1398 gründeten muslimische Herrscher um 1600 das Mogulreich, welches bis 1857 bestand.
Kurz nachdem 1498 eine Seeroute nach Indien erschlossen wurde, begann die Zeit der europäischen Kolonialherrschaft über Indien. Sowohl Portugal als auch die Niederlande, Frankreich und Großbritannien unterhielten in Indien Kolonien. 1756 unterwarf Großbritannien den Großteil Indiens und sorgte dafür, dass alle anderen Kolonialmächte ihren Einfluss verloren. Nach niedergeschlagenen Aufständen der Bevölkerung wurde Indien unter die direkte Kontrolle Großbritannien gestellt und die britischen Könige trugen seit 1877 bis 1947 auch den Titel „Kaiser von Indien“.
1947 führte der gewaltfreie Widerstand gegen die britische Kolonialmacht dazu, dass diese Indien in die Unabhängigkeit entließ. Zeitgleich wurde auch die Teilung der ehemaligen Kolonie in zwei Staaten – Indien und Pakistan – veranlasst. Das hauptsächlich von Muslimen bevölkerte Pakistan vertrieb daraufhin etwa 10 Millionen Hindus, ungefähr 7 Millionen Muslime mussten aus Indien fliehen. Aufgrund religiöser und territorialer Differenzen kam es zwischen den beiden Ländern drei Mal zum Krieg. Zwar lassen sich heute immer noch vereinzelt Konflikte zwischen Hindus und Moslems beobachten, aber seit Beginn des 20 Jahrhunderts wird innen- wie außenpolitisch eine Politik der Annäherung betrieben.